Heute, während der langen Wartezeit beim Zahnarzt kamen mir folgende Einsichten:
Der Durchschnitt zweier Mengen besteht aus den Elementen, die beide mengenbildenden Eigenschaften auf sich vereinen. Also ein ganz einfaches Beispiel: Die eine Menge ist die Menge der großen Schuhe. Die andere Menge die der roten Schuhe. Der Durchschnitt beider Mengen sind alle großen, roten Schuhe, also alle Schuhe, die groß und rot sind.
Soweit so gut. Aber wohin soll ich sie einräumen? In das Fach der großen oder das Fach der roten?
Das macht unsicher. Und da liegt das Problem.
Man sollte meinen, diese großen roten Schuhe passen in jedes Fach, sind überall willkommen! Aber weit gefehlt! Die großen Schuhe wollen sie nicht, weil sie rot sind und eigenlich zu den anderen gehören. Die roten Schuhe wollen sie nicht, weil sie in dem Fach doch alle kleine Schuhe sind und die großen doch nicht dazu passen.
Nun frage ich: Wie ist das in der Gesellschaft? Man sollte doch meinen, dass einer mit österreichischer Staatsbürgerschaft und afrikanischer Herkunft in beiden Kulturen zu Hause und angenommen ist. Stimmt das? Oder ein Slowene, der in Österreich österreichischer Staatsbürger ist? Oder ein Jude, der Jesus als seinen Messias erkennt, von Juden und Christen geliebt wird. Oder ein Albaner (volksmäßig), der serbischer Staatsbürger ist. Oder ein Pflegekind, sollte es nicht doppelt so viel Liebe bekommen, von den leiblichen Eltern und von den Pflegeeltern? Ebenso ein Aoptivkind?
Oder sitzen sie doch eher zwischen zwei Stühlen – und fallen durch?
Gelegentlich wird mein Mann, der schon lange in Österreich ist, dann doch noch zuweilen gefragt: „gö, du bist net vo do?“ Und wenn er im Schwabenländle ist, wo er herkommt, dann „ogfärbt hat des eschtereichische aber au!“ (Verzeiht, wenn der Dialekt nicht ganz getroffen ist, ich bin doch keine Schwäbin)
Und aus eigener krisenreicher Geschichte kenne ich den Konflikt zwischen leiblichen und Adoptiv- oder Pflegeeltern und das Dilemma des Kindes zwischen den Stühlen. Und welch schwieriger Prozesse oder vielleicht nur unkomplizierterer Menschen es bedarf, wenn das Kind nicht zwischen den Stühlen hindurchfallen soll! Nach meiner Erfahrung war es die Unsicherheit, die die doppelte Liebesration für unsere (Pflege- und Adoptiv-)kinder eingeschränkt hat. Dass es dann doch nicht so schimm wurde, und wir zu gegenseitigem Respekt und zu Dankbarkeit für einander gefunden haben, danke ich Jesus, der mir die Augen öffnete dafür, wie er uns alle sah, als so kostbar, dass er alles gab, um mit uns zusammensein zu können. Das nahm die Unsicherheit.

Stimmt genau, spätestens wenn du einige Zeit im Ausland gelebt hast, bist du anders als der typische Österreicher (oder was auch immer). Man hat einen anderen Blickwinkel oder Horizont und wird sich immer unterscheiden von denen, die nie auswärts waren. Und in der „zweiten“ (oder dritten oder vierten …) Heimat? Noch viel mehr.
Meiner Erkenntnis nach müsste es heißen: „abgferbt hot des eschtereichische aber scho“, allerdings sagen die meisten sowieso nur „aha ein Ösi“! dabei werden allerdings auch manche heimliche Sympathien für die „Ösis nicht verborgen!“