Den zweiten Eindruck vom Wochenende im Subiako darf ich euch auch nicht vorenthalten: das Seminar für freiwillige Suchtkrankenhelfer vom Blauen Kreuz (Hilfe für Alkoholkranke).
Durch Rollenspiele erfuhren wir hautnah die Problematik von Sucht. Dabei wurden mir zwei Gedanken ganz wichtig: erstens das Eingestehen der eigenen Ohnmacht und zweitens die Suche nach Hilfe. Und es gibt Hilfe!
Ich lernte dort richtige Helden kennen: Männer, die jahrelang unter dem Joch der Sucht gelitten und es dann geschafft hatten, Hilfe zu suchen und nun schon wieder jahrelang trocken waren. Für mich war es ermutigend, sie als gefestigte Persönlichkeiten zu erleben, denen man wieder vertrauen kann.
Der Weg heraus ging allerdings bei manchen bis an den Rand des Grabes. Das hat mich erschüttert. Umso mehr freute ich mich dann, ihre „Rettungsgeschichte“ mitanzuhören.
Bei einem gespielten Gruppenabend erlebte ich, wie wir alle unsere persönlichen Lebenserfahrungen und Kämpfe mit einbrachten. Ich bemerkte, dass ich als „Schokoholiker“ (lies hier nach) nur den Namen des „Suchtmittels“ weglassen musste und schon war ich mitten in der Rolle des neu dazugekommen Gruppenmitgliedes, das seinen „Werdegang“ schilderte. Voll authentisch. Ich musste gar keine Rolle mehr spielen.
Zum Abschluss der Ausbildung muss ich noch eine Arbeit zum Thema „Christ und Alkohol, geht das?“ schreiben. Natürlich freue ich mich über Deine Gedanken. Denn ein bisschen Horizonterweitern ist sicher vorteilhaft. Natürlich zitiere ich dich dann, wenn es Dir Recht ist. Ich will mich ja nicht mit fremden Federn schmücken.

„Christ und Alkohol geht das?“
Zunächst einmal ein unumwundenes Ja. Alles in seinem richtigen Mass.
Dazu ein kleines Lied:
„Und keiner soll sagen, wer da trinkt der sei schlecht.
Der Eine trinkt Champanger,
den der Himmel ihm beschert
und der Andere all die kleinen Kümmelchen
die er find’t auf der Erd“
Zuerst muss bei jeder Bekehrung die Einsicht stehen:
„Ich bin von Gott so geliebt, wie ich bin.“
Das andere folgt dann daraus.
Der Süchtige, und ich meine es ist egal, um welche Sucht es sich handelt sucht einen Mangel aufzuheben, den er mal erlitten hat.
Dieser Mangel besteht in der Regel aus zu wenig Selbstvertrauen, dass das Leben als solches einfach gut ist, wenn wir es nur erkennen können.
Es gibt auch eine Suchtverlagerung so gehöre ich zu den Beziehungssüchtigen und auch nicht ungefährlich ist eine religiöse Sucht.
„Von der Sucht gebraucht zu werden“ Wenn Frauen zu sehr lieben war in den 80iger Jahren ein Bestseller und ich habe dazu damals Kurse gegeben.
Mittlerweile bin ich dabei es als Realität an zu sehen, dass wir in einer verrückt und süchtig machenden Welt leben.
Darüber nicht zu verzweifeln, das nennt man glaub ich Lebenskunst.
Danke, rotegraefin!
Übrigens, ich kenne das Lied, das du zitiert hast. Es hat Humor.