Eine Alltagsgeschichte mit tieferem Sinn?
Da liegt sie am Straßenrand – gepflückt und achtlos verloren oder verachtet weggeworfen. Danach noch niedergewalzt, platt gedrückt. Erbarmen erfasst mich. Ich bleibe stehen und bücke mich, hebe sie auf und stecke sie in die Brusttasche meiner Bluse, sodass der Blütenkopf noch rausschaut – sacht, damit sie nicht noch mehr knickt. Doch nun kommen mir Bedenken: „Wenn mich ein Naturschützer so sieht, dann könnte er doch meinen, ich hätte sie gepflückt. Sie ist doch geschützt! Man darf das doch nicht! Wie kann ich ihm dann erklären, dass ich sie gerettet habe, damit sie nicht ganz zugrunde geht? Wo war er denn, als sie auf dem Straßenrand landete?“
Unterwegs mischt sich zu dem Mitgefühl auch Zorn über solche Missachtung dieser wunderschönen Blüte – Ich erinnere mich an einen vollen Strauß auf meinem Geburtstagstisch in fernen Kindertagen. Hat diese Blume etwas für mich zu bedeuten? Warum berührt mich ihr Schicksal denn so sehr?
Zu Hause angekommen suche ich ein scharfes Messer, damit ich den Stiel oberhalb der gequetschten Stelle durchtrennen kann, ohne die Kapillaren zusammenzudrücken. Das ist nicht leicht für mich – es tut weh! Ich suche ein passendes Gefäß – ein ganz kleines – und stelle sie ins Wasser aufs Fensterbrett.
Bange warte ich, ob sie sich wieder aufrichtet.
Du auch?

